Geschichte
Eine Tradition seit 1812
Die Geschichte der Ipfmesse
Inhalt
Die königliche Erlaubnis
Über 200 Jahre lebendige Tradition
Vom Jahrmarkt zum Volksfest
Die Ipfmesse heute
Die Ipfmesse in Bopfingen – Geschichte, Ursprung und kulturelle Bedeutung
Die Ipfmesse ist weit mehr als ein Volksfest. Für Bopfingen und die gesamte Region gilt sie seit Generationen als die „fünfte Jahreszeit“. Ihre Geschichte reicht über 200 Jahre zurück – und verbindet königliche Besuche, regionale Identität, wirtschaftliche Entwicklung und schwäbische Festkultur.
Was einst mit der königlichen Erlaubnis begann, ist heute das Herzstück unserer Region
Die königliche Erlaubnis
Die Geschichte der Ipfmesse beginnt mit einem historischen Ereignis:
Am 10. Juli 1811 besuchte König Friedrich I. von Württemberg die Stadt Bopfingen. Damals gehörte die Region erst seit kurzer Zeit zum Königreich Württemberg. Der Besuch des Königs war für die Stadt ein bedeutendes politisches und gesellschaftliches Ereignis.
Ein Jahr später – am 24. Mai 1812 – stellte der Bopfinger Stadtmagistrat beim König ein offizielles Gesuch:
Die Stadt wollte jährlich ein Fest mit Markt zu Ehren dieses königlichen Besuchs veranstalten. Hintergrund war auch die wirtschaftliche Lage der Stadt, denn Bopfingen war verschuldet und hoffte auf zusätzliche Einnahmen durch Händler und Besucher. Der Antrag wurde genehmigt.
Damit entstand die erste Ipfmesse.
Über 200 Jahre lebendige Tradition
Die erste Ipfmesse fand direkt auf dem Ipf statt
Ursprünglich wurde die Messe tatsächlich oben auf dem Ipf abgehalten – dem markanten Zeugenberg, der das Stadtbild bis heute prägt.
Doch das brachte Probleme mit sich:
- Der Ipf liegt rund 200 Meter über der Stadt
- Das Wetter war oft unberechenbar
- Transporte und Aufbau waren schwierig
- Händler und Besucher hatten einen beschwerlichen Aufstieg
Einer bekannten Überlieferung zufolge soll 1837 sogar ein Sturm große Schäden angerichtet haben. Danach wurde die Veranstaltung dauerhaft ins Tal auf den heutigen Sechtaplatz verlegt.
Vom eintägigen Markt zum mehrtägigen Volksfest
Anfangs war die Ipfmesse lediglich ein eintägiger Jahrmarkt am 10. Juli.
Doch schnell zeigte sich:
Ein einziger Tag war wirtschaftlich unattraktiv – besonders für Händler und Schausteller mit weiter Anreise.
Deshalb wurde die Veranstaltung schrittweise erweitert:
- 1821 begannen Bemühungen um einen offiziellen „Ipfmesssonntag“
- 1839 wurde der Sonntag als offizieller Messtag erlaubt
- 1842 wurde zusätzlich ein Vieh- und Krämermarkt integriert
- 1904 wurde der Montag offiziell genehmigt
- 1961 kam der Samstag hinzu
- 1991 wurde schließlich der Freitag ergänzt
Damit entwickelte sich die Ipfmesse zu dem fünftägigen Volksfest, das heute bekannt ist.
Die Ipfmesse heute
Die fünfte Jahreszeit Ostwürttembergs

Die Ipfmesse als wirtschaftlicher Motor
Historisch war die Ipfmesse nicht nur Unterhaltung, sondern ein zentraler Wirtschafts- und Handelsplatz der Region.
Traditionell gehörten dazu:
- Viehmärkte
- Krämermärkte
- Landwirtschaftsausstellungen
- Schaustellerbetriebe
- Brauereien
- regionale Handwerker
- politische Kundgebungen
Gerade für die ländliche Bevölkerung im Ostalbraum war die Messe jahrzehntelang einer der wichtigsten Treffpunkte des Jahres.

Ausfälle der Ipfmesse in Krisenzeiten
Die Ipfmesse wurde in ihrer Geschichte mehrfach unterbrochen:
- 1914–1918 wegen des Ersten Weltkriegs
- 1920 und 1938 wegen Maul- und Klauenseuche
- 1942–1945 wegen des Zweiten Weltkriegs
- 2020 und 2021 wegen Corona
Insgesamt fiel die Messe bislang 13-mal aus. Deshalb war die Veranstaltung 2024 zwar inoffiziell die „200. Ipfmesse“, obwohl der Ursprung bereits 1812 liegt.

Traditionen und feste Bestandteile
Bis heute prägen bestimmte Rituale die Ipfmesse:
Der große Festumzug
Der Umzug durch die Innenstadt gehört zu den wichtigsten Traditionen.
Das Feuerwerk
Das traditionelle Feuerwerk am Freitagabend ist einer der Höhepunkte der Ipfmesse.
Der ökumenische Gottesdienst
Am Sonntag findet traditionell ein Gottesdienst im Festzelt statt.
Familientag
Der Dienstag gilt als Familientag mit vergünstigten Preisen.

Moderne Entwicklung
Die Ipfmesse hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark modernisiert:
- größere Festzelte
- moderne Fahrgeschäfte
- Gewerbeausstellungen
- Musik- und Partyprogramme
- regionale Vermarktung
- touristische Bedeutung
Gleichzeitig blieb ihr Charakter als regional verwurzeltes Heimatfest erhalten.
Seit 2025 darf Bopfingen offiziell die Zusatzbezeichnung
„Ipfmessstadt“ tragen.

Die „fünfte Jahreszeit“ der Region
Heute ist die Ipfmesse tief in der regionalen Identität verwurzelt.
In Bopfingen sagt man scherzhaft:
„Wer dreimal die Mess verpasst, verliert den Heimatschein.“
Diese humorvolle Tradition zeigt, welchen emotionalen Stellenwert die Messe in der Region besitzt.
Für viele ehemalige Bopfinger ist die Ipfmesse bis heute ein Anlass, in die Heimat zurückzukehren.