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Kommentar My Fleckle
„Ich melde mich“ – und dann?
Verbindlichkeit ist keine Nebensache. Sie ist die unsichtbare Grundlage dafür, dass Zusammenarbeit überhaupt funktioniert. Doch genau diese Selbstverständlichkeit scheint immer häufiger verloren zu gehen.
„Ich melde mich.“
Drei Worte. Schnell gesagt, freundlich gemeint – und oft erstaunlich folgenlos.
Natürlich kann jeder einmal etwas vergessen. Termine überschneiden sich, der Alltag ist voll, eine Nachricht rutscht durch. Das passiert.
Problematisch wird es dort, wo aus dem Ausnahmefall ein Muster wird.
Wo Menschen Rückmeldungen versprechen, diese aber ausbleiben. Wo nachgefragt, erinnert und erneut gewartet werden muss. Und wo irgendwann niemand mehr weiß, ob eine Entscheidung noch kommt oder längst versandet ist.
Dabei leben wir ausgerechnet in einer Zeit, in der Kommunikation einfacher kaum sein könnte.
Telefon, E-Mail, Messenger, Kontaktformular, Videokonferenz, ein Klick auf „Ja“ oder „Nein“ – die technischen Möglichkeiten waren nie größer.
Und trotzdem scheint manchmal gerade das Einfachste schwerzufallen:
Bescheid geben.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit.
Ist es aber nicht.
Denn auf der anderen Seite wartet möglicherweise nicht nur ein Mensch auf eine Nachricht. Vielleicht hängt daran ein Termin. Eine Planung. Eine Bestellung. Ein Projekt. Eine Lieferung. Die Arbeit weiterer Menschen.
Unsere Gesellschaft funktioniert wie ein großes Uhrwerk.
Ein Zahnrad greift ins nächste. Nicht jedes Rädchen ist gleich groß, aber jedes hat seine Aufgabe. Gerät eines ins Stocken, kann das nächste seinen Dienst oft nur eingeschränkt tun.
Genau deshalb ist Verbindlichkeit mehr als gute Erziehung.
Sie ist ein Teil funktionierender Zusammenarbeit.
Und Verbindlichkeit bedeutet keineswegs, immer Ja sagen zu müssen.
Im Gegenteil.
Ein klares Nein ist häufig hilfreicher als ein freundliches Vielleicht. Ein „Ich brauche noch etwas Zeit“ ist ehrlicher als Schweigen. Und ein angekündigter Rückruf, der tatsächlich erfolgt, ist manchmal mehr wert als jede wohlklingende Absichtserklärung.
Vielleicht ist das altmodisch.
Vielleicht aber auch nur eine Erinnerung an etwas, das selbstverständlich sein sollte:
Wer eine Rückmeldung zusagt, übernimmt damit ein kleines Stück Verantwortung.
Für die Zeit des anderen.
Für dessen Planung.
Und am Ende auch für Vertrauen.
Till Eulenspiegel hielt den Menschen bekanntlich gern einen Spiegel vor.
Vielleicht lohnt sich ein kurzer Blick hinein.
Nicht, um mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Sondern um sich selbst gelegentlich zu fragen:


