Kirche der Zukunft: Diözesanrat beschließt Neuausrichtung der Seelsorge
Letzte Sitzung des 11. Diözesanrats bringt richtungsweisende Entscheidungen für Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – auch der Ostalbkreis ist betroffen.
Am 28. und 29. November fand im Kloster Untermarchtal die letzte Vollversammlung des 11. Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt. Das oberste gewählte Laiengremium fasste bei seiner Abschlusssitzung wichtige Grundsatzbeschlüsse zum diözesanen Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“, das Teil des umfassenden Transformationsprozesses „Kirche der Zukunft“ ist.
Auslöser des Prozesses sind sinkende Kirchenmitgliederzahlen durch Austritte, demografischen Wandel und rückläufige Taufzahlen. Diese Entwicklungen führen zu deutlich niedrigeren Kirchensteuereinnahmen. Parallel nimmt die Zahl der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger ab. Ziel des Projekts ist es, verbleibende Personal- und Finanzressourcen zukunftsfähig einzusetzen und kirchliches Leben dauerhaft zu sichern.
Weniger Gemeinden, stärkere Strukturen
Der Diözesanrat sprach sich mit großer Mehrheit dafür aus, die derzeit 1.020 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden in 50 bis 80 Raumschaften zusammenzuführen. Diese neuen Strukturen sollen Verwaltungsaufgaben bündeln und die Seelsorge vor Ort entlasten. Bischof Dr. Klaus Krämer betonte, dass das kirchliche Leben auch in den neuen Raumschaften vielfältig und ortsnah erhalten bleiben werde.
Auch im Ostalbkreis sind Kirchengemeinden betroffen. Welche Pfarreien künftig in einer Raumschaft zusammenarbeiten werden, wird im Laufe des Jahres 2026 erarbeitet. Dabei werden auch muttersprachliche Gemeinden einbezogen. Die bisherigen Gemeinden bleiben als sogenannte Kirchorte innerhalb der neuen Raumschaften bestehen.
Neben Priestern sollen künftig auch geeignete Laien als Pfarrbeauftragte Verantwortung übernehmen können. Außerdem werden Verwaltungsbeauftragte eingeführt, um die pastoralen Leitungsteams zu entlasten.
Finanzielle Einschnitte und Gebäudestrategie
Parallel zu den Strukturveränderungen beschloss der Diözesanrat eine Reduzierung der Kirchensteuerzuweisung an die Gemeinden um 8,7 Prozent für das Jahr 2026. Grund sind deutlich schlechtere Einnahmeerwartungen. Besonders im Bereich Personal und Baukosten müssen die Gemeinden künftig sparsamer wirtschaften.
Dazu wurde bereits im Vorjahr das Projekt „Räume für eine Kirche der Zukunft“ gestartet. Es verfolgt das Ziel, den Gebäudebestand der Kirchengemeinden an die künftigen finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen.
Transformationsfonds und Digitalisierung
Um den Wandel aktiv gestalten zu können, wurde die Einrichtung eines Transformationsfonds beschlossen. Dieser soll ab 2026 mit einem Volumen von 13 Millionen Euro aus Rücklagen gespeist werden und Spielraum für notwendige Maßnahmen schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalstrategie. Für 2026 sind erste Umsetzungen geplant: mehr digitale Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden, effizientere Prozesse, Automatisierung und vernetzte Lösungen. Dafür werden 2,14 Millionen Euro aus der Allgemeinen Rücklage bereitgestellt.
Synodenteam und Fazit
Bischof Dr. Krämer kündigte an, ein Synodenteam einzusetzen, das die Empfehlungen aus der Weltsynode in der Diözese umsetzen soll. Es soll synodale Prozesse auf allen Ebenen initiieren und begleiten.
Zum Abschluss würdigten sowohl der scheidende Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn als auch Bischof Dr. Krämer die konstruktive Zusammenarbeit. Krämer sprach von einer „Sternstunde der Synodalität“. Die Diözese habe mit diesem Sitzungsergebnis in kurzer Zeit mutige und tragfähige Weichenstellungen vorgenommen.
Kommentar
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