Region Ostwürttemberg will Gründungen gezielt stärken
My Fleckle – Die Online-Zeitung
Aalen/Ostwürttemberg. Mehr Unternehmensgründungen, bessere Vernetzung und neue Perspektiven für innovative Geschäftsideen: Der Ostalbkreis und der Landkreis Heidenheim wollen gemeinsam mit den Kreissparkassen die Gründungsintensität in der Region deutlich steigern. Mit diesem Thema beschäftigte sich nun auch der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung des Ostalbkreises in seiner Sitzung Ende April.
Grundlage dafür ist die Analyse „Gründungsmanagement im Start-up-Ökosystem Ostwürttemberg“, die 2025 von den Kreissparkasse Ostalb und der Kreissparkasse Heidenheim in Auftrag gegeben wurde. Ziel der Untersuchung war es, Wege aufzuzeigen, wie die Region langfristig wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben und innovative Unternehmen besser fördern kann.
Die Ergebnisse stellte Projektleiter Prof. Dr. Holger Held von der Aalener Unternehmensberatung Janoris Management GmbH im Ausschuss vor. Dabei machte er deutlich, dass Ostwürttemberg im Vergleich zum Landesdurchschnitt derzeit eine niedrigere Gründungsquote aufweist. Gründe dafür seien unter anderem die ländliche Struktur, eine bislang vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit sowie ein höheres Lohnniveau in der Region.
Hinzu komme, dass viele Unternehmen in Ostwürttemberg in klassischen Industrie- und Technologiebereichen tätig seien. Branchen wie Software, Künstliche Intelligenz oder E-Commerce, aus denen häufig Start-ups entstehen, seien bislang weniger stark vertreten.
Gleichzeitig stehe die Region zunehmend im Wettbewerb mit großen Innovationsstandorten wie Stuttgart oder Heilbronn. Projekte wie die NXTGN Startup Factory in Stuttgart oder der IPAI Campus in Heilbronn würden innovative Gründerinnen und Gründer anziehen und entwickelten bereits eine spürbare Sogwirkung.
Um dem entgegenzuwirken, schlägt die Analyse sechs zentrale Handlungsfelder vor. Geplant ist unter anderem die Entwicklung eines gemeinsamen Zielbildes für die Region sowie eine Image- und Marketingkampagne, die erfolgreiche Gründungen und Unternehmensnachfolgen sichtbarer machen soll.
Darüber hinaus sollen bestehende Netzwerke ausgebaut und besser miteinander verbunden werden. Vorgesehen ist beispielsweise eine digitale Plattform, über die Beratungsangebote, Fördermöglichkeiten und Kontakte einfacher zugänglich gemacht werden können. Auch Patenschaften und Netzwerkpartnerschaften sollen dadurch leichter entstehen.
Weitere Schwerpunkte liegen auf verbesserten Finanzierungsmöglichkeiten für Gründerinnen und Gründer sowie auf konkreten Förderprogrammen. Diskutiert wird unter anderem die Entwicklung eines regionalen Accelerator- beziehungsweise Inkubatorprogramms zur Begleitung und Schulung junger Unternehmen.
Langfristig soll zudem eine Struktur aufgebaut werden, in der sich möglichst viele Unternehmen aus der Region aktiv einbringen – auch finanziell.
Für die Jahre 2026 und 2027 ist zunächst eine Test- und Evaluationsphase vorgesehen. In diesem Zeitraum sollen verschiedene Formate und Maßnahmen praktisch erprobt und anschließend auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.
„Wir müssen neue Ansätze ausprobieren und systematisch evaluieren“, erklärte Prof. Dr. Holger Held im Ausschuss. Die geplanten Maßnahmen seien eng mit der „Offensive Zukunft Ostwürttemberg“ abgestimmt, die von Landrat Dr. Joachim Bläse koordiniert werde.
Unterstützt wird das Vorhaben neben den Landkreisen auch von der Industrie- und Handelskammer sowie den Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim, die sich finanziell an der Umsetzung beteiligen.
Sebastian Baumann, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ostalb und Leiter des Bereichs Unternehmenskunden, betonte die Bedeutung des Projekts: „Gründerinnen und Gründer sind der Mittelstand von morgen. Deshalb engagieren wir uns ganz bewusst in diesem Bereich.“
Zugleich kündigte er an, dass die Kreissparkassen ihre eigenen Angebote künftig noch stärker auf die Bedürfnisse von Gründenden ausrichten wollen.
Die ersten Ergebnisse der Testphase sollen im Frühjahr 2027 ausgewertet werden.


