Warum ich eine andere Zeitung machen wollte –
mein Weg zu My Fleckle
Viele Jahre im Journalismus haben mich eines gelehrt: Eine Nachricht ist noch keine Erklärung. Wer Menschen wirklich informieren möchte, muss Zusammenhänge aufzeigen, Fragen stellen und manchmal genauer hinschauen, als es das tägliche Nachrichtengeschäft erlaubt. Aus dieser Überzeugung entstand der Wunsch nach einer eigenen Zeitung. Einer Zeitung, die bewusst anders arbeitet: My Fleckle.
Viele Jahre Journalismus prägen
Mein Name ist Martin Bauch. Seit vielen Jahren arbeite ich journalistisch, habe zahlreiche Themen recherchiert, Menschen begleitet und Berichte geschrieben.
In dieser Zeit habe ich erlebt, wie vielfältig unsere Region ist. Wie viele Geschichten es gibt, wie unterschiedlich die Interessen der Menschen sind und wie wichtig verlässliche Informationen für ihren Alltag sein können.
Ich habe aber auch die andere Seite des Journalismus kennengelernt.
Das tägliche Nachrichtengeschäft, in dem Meldungen ausgewählt, Texte geschrieben und Zeitungsseiten gefüllt werden müssen. Wo Erscheinungstermine feststehen und der nächste Redaktionsschluss bereits wartet.
Das gehört zum klassischen Zeitungsjournalismus. Und diese Arbeitsweise hat durchaus ihre Berechtigung.
Doch irgendwann habe ich mich gefragt, ob das wirklich der einzige Weg sein muss.
„Nicht jede Nachricht ist schon eine gute Information“
(Martin Bauch)
Was mich zunehmend beschäftigte, war die Frage, welchen tatsächlichen Nutzen ein Bericht für seine Leser hat.
Nehmen wir eine Straßenbaumaßnahme.
Natürlich ist es wichtig zu erfahren, dass eine Straße ausgebaut oder gesperrt wird. Aber reicht diese Information wirklich?
Mich interessiert auch, warum gebaut wird, welche Vorarbeiten notwendig sind, wie lange Einschränkungen dauern könnten und welche Auswirkungen das für Anwohner, Pendler oder Unternehmen hat.
Eine Nachricht kann in wenigen Zeilen geschrieben sein. Die Zusammenhänge dahinter sind manchmal wesentlich umfangreicher.
Und genau diese Zusammenhänge wollte ich schon immer erklären.
Nicht möglichst kompliziert, sondern so, dass Menschen nach dem Lesen mehr wissen als vorher.
Ein guter Bericht sollte nicht nur Fragen aufwerfen. Er sollte möglichst viele davon beantworten.
Der Wunsch nach einer eigenen Zeitung
Aus diesen Überlegungen entwickelte sich nach und nach der Wunsch, journalistisch einen anderen Weg einzuschlagen.
Hinzu kam eine Erfahrung, die mich besonders nachdenklich machte: Wenn technische Abläufe zunehmend bestimmen, wie redaktionelle Inhalte gestaltet werden müssen, bleibt die journalistische Freiheit manchmal auf der Strecke.
Für mich sollte es umgekehrt sein. Die Technik muss den Journalismus unterstützen. Ein Redakteur sollte selbst entscheiden können, welche Themen wichtig sind und wie er sie journalistisch aufbereitet.
Ich wollte keine weitere Tageszeitung gründen. Auch keine digitale Ausgabe einer gedruckten Zeitung.
Meine Vorstellung war ein eigenständiges Online-Medium, das seine Möglichkeiten bewusst nutzt und sich nicht am täglichen Rhythmus einer Printausgabe orientieren muss.
Eine Zeitung, deren Beiträge unabhängig von festen Erscheinungsterminen veröffentlicht, ergänzt und aktualisiert werden können.
Vor allem aber eine Zeitung, bei der nicht die Menge der Veröffentlichungen im Mittelpunkt steht, sondern deren Informationswert.
Dieser Gedanke begleitete mich schon lange. Irgendwann sprach Hana das laut aus, was mich seit Jahren beschäftigte. Sie bestärkte mich darin, diesen Wunsch tatsächlich umzusetzen. Und so wurde aus meinen Überlegungen unser gemeinsames Vorhaben: My Fleckle.
Warum wir auf Slow Media setzen
Wir haben uns bewusst für einen journalistischen Ansatz entschieden, den man heute als Slow Media bezeichnet.
Das bedeutet für uns nicht, Entwicklungen zu verschlafen oder wichtige Nachrichten erst Tage später aufzugreifen.
Es bedeutet, sich für die Recherche und Einordnung die Zeit zu nehmen, die ein Thema benötigt.
Wir müssen nicht jeden Tag eine bestimmte Anzahl von Artikeln veröffentlichen. Wir müssen auch keine Seiten füllen.
Stattdessen können wir Themen auswählen, Informationen prüfen, Hintergründe recherchieren und einen Beitrag dann veröffentlichen, wenn wir unseren Lesern etwas Substanzielles vermitteln können.
Dabei stellen wir uns immer wieder dieselben Fragen:
Was ist tatsächlich passiert? Was ist beschlossen, was lediglich geplant? Welche Informationen sind gesichert? Und welche Auswirkungen hat eine Entwicklung auf die Menschen in unserer Region?
Diese Unterscheidungen sind manchmal wichtiger als die eigentliche Schlagzeile.
Denn eine Ankündigung ist noch keine Entscheidung. Eine Planung ist noch kein Baubeginn. Und eine Vermutung ist noch kein Fakt.
Online ist für mich mehr als eine Zeitung ohne Papier
Auch bei der Gestaltung von My Fleckle wollten wir bewusst eigene Wege gehen.
Eine Online-Zeitung ist für mich nicht einfach eine gedruckte Zeitung, die auf einem Bildschirm erscheint.
Sie muss von Anfang an für das digitale Lesen gedacht sein.
Dazu gehören eine klare Struktur, verständliche Texte, eine übersichtliche Gestaltung und die Möglichkeit, weiterführende Informationen miteinander zu verknüpfen.
Unsere Leser sollen sich orientieren können, ohne sich durch unnötig komplizierte Darstellungen arbeiten zu müssen.
Deshalb haben wir uns auch beim Erscheinungsbild Gedanken gemacht, wie My Fleckle eine eigene Handschrift entwickeln kann.
Wir wollten keine vorhandene Zeitung kopieren.
Wir wollten ein Medium schaffen, das zu unserer Vorstellung von Journalismus passt.
Daten. Fakten. Vertrauen.
Diese drei Worte begleiten My Fleckle seit seinen Anfängen.
Für mich beschreiben sie eine journalistische Verpflichtung.
Daten müssen nachvollziehbar sein. Fakten müssen überprüft werden. Und Vertrauen kann nur entstehen, wenn Leser erkennen, dass sorgfältig und verantwortungsbewusst gearbeitet wird.
Das bedeutet auch, Unsicherheiten zu benennen und unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen.
Nicht auf jede Frage gibt es sofort eine eindeutige Antwort. Manchmal muss weiter recherchiert werden. Manchmal bleiben Dinge offen.
Auch das gehört für mich zu einem glaubwürdigen Journalismus.
Zwei unterschiedliche Wege – ein gemeinsames Ziel
Heute arbeite ich gemeinsam mit Hana an der Weiterentwicklung unserer Online-Zeitung.
Wir kommen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen und bringen verschiedene Erfahrungen mit.
Während ich mich vor allem auf die journalistische und redaktionelle Arbeit konzentriere, kümmert sich Hana unter anderem um Strategie, Organisation, Projekte und unsere Präsenz auf LinkedIn.
Sie betrachtet viele Dinge aus einer anderen Perspektive als ich. Und das ist gut so.
Denn bei aller Unterschiedlichkeit verbindet uns eine gemeinsame Vorstellung davon, was My Fleckle sein soll.
Eine regionale Zeitung, die Menschen ernst nimmt, Informationen verständlich aufbereitet und sich nicht vom ständigen Druck nach immer neuen Schlagzeilen bestimmen lässt.
Was ich mir für My Fleckle wünsche
Natürlich möchte ich, dass unsere Zeitung wächst, mehr Menschen erreicht und sich langfristig als eigenständiges regionales Medium etabliert.
Aber vor allem wünsche ich mir, dass unsere Leser nach einem Bericht sagen können: Jetzt verstehe ich, worum es geht.
Dass sie Informationen erhalten, die ihnen im Alltag helfen, Entwicklungen besser einzuordnen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Dafür haben wir My Fleckle gegründet.
Nicht, um schneller zu sein als andere.
Nicht, um lauter zu sein.
Sondern um genauer hinzuschauen.
Martin Bauch
Redaktion My Fleckle – Die Online-Zeitung für den Ostalbkreis