Die Sonne als Waffe
Kann man einen Planeten kühlen, indem man ihm einen Teil seines Lichts nimmt?
Was lange wie Science-Fiction klang, rückt plötzlich in den Bereich realer Forschung. Beunruhigend ist dabei nicht allein die Idee, sondern auch der Gedanke dahinter: dass der Mensch schon wieder glaubt, selbst dort eingreifen zu können, wo er die Folgen seines Handelns bis heute nicht vollständig versteht.
Großbritannien fördert inzwischen mit der Forschungsagentur ARIA ein Programm zum sogenannten Climate Cooling. Dafür stehen 56,8 Millionen Pfund bereit, und das Projekt schließt ausdrücklich auch kleine, kontrollierte Außenexperimente ein. Gemeint sind Verfahren, die Sonnenstrahlung teilweise zurück ins All lenken oder Wolken aufhellen sollen, um die Erde künstlich zu kühlen. Was eben noch futuristisch wirkte, wird damit zum Gegenstand öffentlicher Forschung. Und damit wird aus einer Klimafrage plötzlich auch ein Experiment am Himmel.
Gerade deshalb ist das Thema so stark. Denn es erzählt nicht nur von Technik, sondern von einer neuen Haltung des Menschen zur Welt. Jahrzehntelang lautete die Klimafrage: Wie senken wir Emissionen? Nun taucht daneben eine zweite auf: Dürfen wir das System Erde direkt regulieren, wenn wir es indirekt bereits aus dem Gleichgewicht gebracht haben? Aus einem Umweltproblem wird plötzlich eine Machtfrage. Wer entscheidet, wie viel Sonne die Welt noch bekommen soll?
Die Befürworter verweisen auf die Dringlichkeit der Erderwärmung, die Skeptiker auf unkalkulierbare Nebenfolgen und die Gefahr, dass technische Kühlung zur Ausrede für politische Untätigkeit wird. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Wucht dieses Themas: Nicht weil schon klar wäre, dass der Mensch die Sonne dimmen wird. Sondern weil er begonnen hat, ernsthaft darüber nachzudenken.


