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Mehr Tierwohl durch Technik – warum Digitalisierung keine Gefahr ist

Von der Redaktion

Die Sorge ist nachvollziehbar: Technik im Stall, Daten in der Cloud, Entscheidungen per App – das klingt nach Industrialisierung, nicht nach Landwirtschaft. Doch wer so denkt, unterschätzt, was moderne Systeme wirklich leisten können – vor allem für das Tier.

Nehmen wir die Kälberaufzucht. Früher war es oft ein Glücksspiel: Trinkt das Kalb genug? Ist es gesund? Wer viele Tiere hatte, konnte nicht jedes einzeln im Blick behalten. Heute warnt das System, bevor das Kalb krank aussieht. Die Technik erkennt Abweichungen, die das menschliche Auge oft zu spät bemerkt. Das ist aktiver Tierschutz.

Natürlich ersetzt kein Computer das Gespür eines erfahrenen Landwirts. Aber er hilft ihr, schneller zu reagieren, gezielter zu handeln und Fehler zu vermeiden – nicht auf Kosten der Tiere, sondern in ihrem Sinne. Wenn weniger Kälber Durchfall bekommen, weil die Fütterung besser passt, dann ist das ein Gewinn – auch für Tierwohl und Umwelt.

Und was ist mit der Nähe zum Tier? Die bleibt. Nur wird sie ergänzt durch Wissen, das man früher schlicht nicht hatte. Die Digitalisierung bringt Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit. Gerade in der heutigen Zeit, wo Landwirtschaft unter Druck steht, ist das eine Chance – keine Gefahr.

Die gute alte Landwirtschaft war geprägt von Herz und Hand. Die moderne Landwirtschaft kann das Herz behalten – und die Hand durch ein smartes Werkzeug stärken. Fortschritt heißt nicht Entfremdung. Sondern: die richtigen Entscheidungen treffen, wenn sie zählen.

Denn wer Technik klug nutzt, schützt das Tier – nicht den Bildschirm.

 

 

Martin Bauch

Martin Bauch

Redaktion My Fleckle

CONTRA

Technik im Stall – und wo bleibt die gute alte Landwirtschaft?

Von der Redaktion

Digitalisierung, Cloud-Daten, App-gesteuerte Tränkesysteme – auch in der Landwirtschaft ist die Zukunft längst angekommen. Doch während die Technik immer intelligenter wird, stellt sich eine Frage, die viele beschäftigt: Verlieren wir dabei nicht das, was Landwirtschaft ursprünglich ausmacht? Nähe zum Tier, Handarbeit, Gespür statt Sensor?

Nehmen wir das Beispiel der Kälberaufzucht. Moderne KI-Systeme versprechen: mehr Überblick, mehr Effizienz, weniger Krankheiten. Klingt gut – und ist es in vielen Fällen auch. Aber gleichzeitig wächst die Entfremdung vom Tier. Wo früher das Melkmaß und der Blick ins Kälbermaul entscheidend waren, zeigt heute ein Dashboard auf dem Handy, ob alles passt.

Ist das wirklich noch Tierhaltung im besten Sinn – oder schon Tierverwaltung?

Es ist ein schmaler Grat. Technik kann helfen, Fehler zu vermeiden, Arbeit zu erleichtern und das Wohl der Tiere zu fördern. Aber nur, wenn sie den Menschen nicht ersetzt, sondern unterstützt. Wer sich blind auf digitale Daten verlässt, verpasst oft das Wesentliche: dass jedes Tier ein Individuum ist – und keine Zahl in der Cloud.

Die „gute alte Landwirtschaft“ war sicher nicht perfekt, aber sie war geerdet, handfest, menschlich. Heute kann man den Stall mit dem Finger auf dem Bildschirm wischen – aber fühlt man noch, wie es den Tieren geht? Kennt man ihre Eigenheiten, ihre Launen, ihr Verhalten?

Wir sollten uns fragen, ob Fortschritt automatisch besser ist. Oder ob wir nicht gerade in der Landwirtschaft wieder lernen müssten, langsamer zu schauen, genauer hinzuhören und mit beiden Händen zu arbeiten – auch wenn der Sensor piept.

Denn echte Tierhaltung braucht mehr als WLAN.

Hana Bauch

Hana Bauch

Redaktion My Fleckle

Das Fazit

Zwischen Fortschritt und Gefühl – beides gehört in den Stall

Die Diskussion zeigt: Technik und Tierwohl müssen kein Widerspruch sein – wenn der Mensch nicht aus dem System verschwindet. Die Digitalisierung bietet große Chancen für die Landwirtschaft, gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, wachsendem Druck und gestiegenen Anforderungen an Tiergesundheit und Nachhaltigkeit.

Gleichzeitig mahnt der Blick zurück daran, was Landwirtschaft im Kern ausmacht: Verantwortung, Nähe, Erfahrung, Geduld.

Vielleicht liegt die Lösung genau dazwischen: Digitale Hilfsmittel – und ein analoges Herz.