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Martin Bauch

Martin Bauch

Redaktion My Fleckle

Ich glaube an Gott. Aber ich gehe selten in die Kirche. Ich brauche keine großen Rituale, um zu glauben – aber ich halte viel von dem, was das Christentum im Kern ausmacht: Nächstenliebe, Hoffnung, Vertrauen.

Deshalb beobachte ich auch, was in der Kirche passiert. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ich mir wünsche, dass sie wieder eine Rolle spielt – nicht als Institution, die urteilt, sondern als Raum, der trägt.

Struktur allein heilt nicht – die Kirche braucht neue Glaubwürdigkeit

Die Reform der Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist überfällig – und sie ist zeitgemäß. Schlankere Strukturen, weniger Verwaltung, effizientere Organisation: All das spart Geld, Zeit und Energie. Vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen und immer weniger hauptamtlichem Personal ist es schlicht notwendig.

Aber: Wer glaubt, dass sich dadurch das Problem des Mitgliederschwunds löst, irrt.

Denn die Kirche hat nicht in erster Linie ein strukturelles Problem. Sie hat ein Vertrauensproblem. Ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und das ist kein Verwaltungsfehler, sondern die Folge jahrzehntelanger Skandale, Vertuschungen und Sprachlosigkeit. Viele Menschen haben sich nicht wegen überbordender Strukturen abgewandt – sondern weil sie sich verletzt, enttäuscht oder nicht ernst genommen fühlten.

Die eigentliche Reform muss deshalb tiefer greifen. Die Kirche muss sich auf das besinnen, was sie im Kern ausmacht: Hoffnung. Glaube. Gemeinschaft. Nächstenliebe.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen Halt und Orientierung suchen – in gesellschaftlichen Krisen, persönlichen Umbrüchen, globaler Unsicherheit – hat die Kirche eine einmalige Chance: Nicht als Mahnerin von oben, nicht als moralischer Zeigefinger, sondern als echte Begleiterin.

Christsein heißt nicht besser sein. Es heißt, mittragen, zuhören, aushalten. Wer das wieder glaubhaft lebt – in den Gemeinden, in der Seelsorge, in der Öffentlichkeit – der kann verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Strukturen sind wichtig. Aber gelebte Nähe ist entscheidend.

📌 Dieser Kommentar ist frei verfügbar – aber guter Journalismus braucht Rückhalt.
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